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EN 407 – Schutzhandschuhe gegen thermische Risiken (Hitze und/oder Feuer)

Bei vielen Tätigkeiten stellt Hitze ein erhebliches Risiko für Mitarbeitende dar – sei es in der Metallverarbeitung, in der Glasindustrie, in Gießereien oder bei Schweißarbeiten. Überall dort besteht die Gefahr, sich die Hände zu verbrennen. Um diesem Risiko zu begegnen, gibt es die europäische Norm EN 407. Sie gibt Auskunft darüber, ob und wie gut ein Handschuh gegen thermische Einflüsse schützt.

Allerdings ist die sechsstellige Zahl unter dem entsprechenden Piktogramm für Laien oft schwer zu deuten. In diesem Beitrag erklären wir Ihnen, was genau die EN 407 regelt, welche Prüfverfahren ein Handschuh durchlaufen muss und wie die Ergebnisse zu interpretieren sind.

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Was ist die EN 407?

Die EN 407 ist – ebenso wie die EN 388 (mechanische Risiken) oder die EN 511 (Kälteschutz) – eine europäische Norm, die Anforderungen und Prüfverfahren für Schutzhandschuhe bei thermischen Gefahren definiert. Sie gilt für alle Handschuhe, die vor Hitze oder Feuer schützen sollen.

Das zugehörige Piktogramm zeigt eine Flamme und wird immer zusammen mit einer sechsstelligen Zahl dargestellt (z. B. 434234). Diese Zahl beschreibt die Leistung des Handschuhs in sechs verschiedenen Prüfbereichen. Zu finden ist das Piktogramm direkt auf dem Handschuh, aber auch in Produktdatenblättern oder auf Webseiten.

Die aktuellste Version der EN 407 ist von 2020 und heißt EN 407:2020.

Hinweis: Für spezielle Anwendungen wie Feuerwehrhandschuhe (EN 659) oder Schweißerhandschuhe (EN 12477) gelten zusätzliche, speziellere Normen.
 
Voraussetzungen für die Prüfung nach EN 407: Damit ein Handschuh überhaupt gemäß EN 407 geprüft werden kann, muss er vorher bei den mechanischen Prüfungen nach EN 388 mindestens Schutzstufe 1 bei Reiß- und Abriebfestigkeit erreicht haben. Details dazu finden Sie in unserem Beitrag zur EN 388.  

Die sechs Prüfbereiche der EN 407

Die EN 407 bewertet Arbeitshandschuhe anhand von sechs Prüfbereichen:

1. Brennbeständigkeit
2. Kontaktwärme
3. Konvektionswärme
4. Strahlungswärme
5. Kleine Spritzer geschmolzenen Metalls
6. Große Mengen geschmolzenen Metalls


Die Leistungsstufen reichen jeweils von 0 bis 4, wobei 4 die beste und 0 die schlechteste Bewertung darstellt. Ein X bedeutet, dass der Test nicht durchgeführt wurde (z. B. wegen Nichtbestehen einer Voraussetzung).

1. Brennbeständigkeit – Wie lange brennt der Handschuh?

Hier wird geprüft, wie lange ein Arbeitshandschuh weiterbrennt oder glimmt, nachdem er mit einer Flamme in Kontakt war. Dazu wird der Handschuh für 3 bzw. 15 Sekunden beflammt, anschließend werden Nachbrenn- und Nachglimmzeit gemessen.

Bewertungsskala:
 
  • Stufe 4: Nachbrennzeit ≤ 2 Sekunden, Nachglimmzeit ≤ 5 Sekunden
  • Stufe 1: Nachbrennzeit < 20 Sekunden, Nachglimmzeit mehr als 120 Sekunden
  • Stufe 0: Kein Schutz / Test nicht bestanden

Je niedriger die Bewertung, desto länger brennt oder glimmt der Arbeitshandschuh – und desto schlechter ist der Schutz.

Kontaktwärme – Schutz bei direktem Kontakt mit heißen Oberflächen

Bei dieser Prüfung wird getestet, wie gut der Handschuh Hitze bei direktem Kontakt isoliert. Die Außenseite wird für 15 Sekunden einer Temperatur von 100 °C bis 500 °C ausgesetzt. Dann wird gemessen, bei welcher Temperatur sich die Innenseite um 10 °C erwärmt.

Bewertungsskala:
 
  • Stufe 4: 500 °C direkter Kontakt für 15 Sekunden
  • Stufe 1: 100 °C direkter Kontakt für 15 Sekunden
  • Stufe 0: < 100 °C nicht bestanden

Ein höherer Wert bedeutet, dass der Handschuh für kurze Zeit heißere Oberflächen berühren kann, ohne dass die Hitze spürbar durchdringt.

3. Konvektionswärme – Schutz vor aufsteigender Hitze

Hier wird getestet, wie lange es dauert, bis Hitze durch den Arbeitshandschuh dringt. Eine Flamme erhitzt den Handschuh, und es wird gemessen, wie viele Sekunden vergehen, bis sich die Innenseite um 24 °C erwärmt.

Ergebnis: Der sogenannte HTI-Wert (Heat Transfer Index).

Bewertungsskala:
 
  • Stufe 4: ≥ 18 Sekunden
  • Stufe 1: ≥ 4 Sekunden
  • Stufe 0: Kein Schutz

Je höher der HTI-Wert, desto besser die Isolation gegen aufsteigende Wärme.
Einfache Darstellung des Prüfverfahrens Konvektionswärme der EN 407

4. Strahlungswärme – Schutz gegen Wärmestrahlung

Dieser Test ist nur zulässig, wenn der Handschuh in der Brennbeständigkeit mindestens Stufe 3 erreicht hat. Andernfalls wird der Bereich mit X bewertet.

Im Test wird der Arbeitshandschuh Wärmestrahlung ausgesetzt (z. B. von Öfen oder Lichtbögen). Gemessen wird die Zeit, bis im Inneren eine bestimmte Temperatur erreicht wird.

Bewertungsskala:
 
  • Stufe 4: ≥ 150 Sekunden
  • Stufe 1: ≥ 5 Sekunden
  • Stufe 0: Kein Schutz

Je höher der Wert, desto länger können diese Arbeitshandschuhe Wärmestrahlung ausgesetzt werden.

5. Kleine Spritzer geschmolzenen Metalls

Auch hier gilt: Nur Handschuhe, die mindestens Stufe 3 bei der Brennbeständigkeit erreichen, dürfen getestet werden.

Geschmolzenes Metall wird auf den Arbeitshandschuh geträufelt. Gemessen wird die Anzahl an Tropfen, die notwendig sind, um die Innenseite um 40 °C zu erhitzen.

Bewertungsskala:
 
  • Stufe 4: ≥ 35 Tropfen
  • Stufe 1: ≥ 10 Tropfen
  • Stufe 0: Kein Schutz

Je mehr Tropfen notwendig sind, desto besser schützt der Handschuh gegen Metallspritzer.

6. Große Mengen geschmolzenen Metalls

Auch dieser Test ist nur bei bestandener Brennbeständigkeit (mindestens Stufe 3) zulässig.

Hier wird eine PVC-Folie im Inneren des Handschuhs als "Haut" verwendet. Dann wird geschmolzenes Metall auf den Handschuh gegossen. Die Grammzahl, die notwendig ist, um die Folie zu beschädigen, ergibt die Bewertung.

Bewertungsskala:
 
  • Stufe 4: ≥ 200 g
  • Stufe 1: ≥ 30 g
  • Stufe 0: Kein Schutz

Je höher der Wert, desto besser der Schutz bei größeren Metallmengen – etwa bei Gießereiarbeiten.

Hitzeschutzhandschuhe von Schwan - Ihr Experte für PSA

Die EN 407 ist eine wichtige Norm zur Beurteilung des Hitzeschutzes von Schutzhandschuhen. Sie bietet eine standardisierte Möglichkeit, die Schutzleistung in verschiedenen hitzebezogenen Szenarien zu bewerten. Besonders in Berufen mit hoher thermischer Belastung ist es entscheidend, geeignete Handschuhe zu wählen – und dabei auf die sechsstellige Kennzahl zu achten.

Wer die einzelnen Prüfbereiche und Leistungsstufen kennt, kann fundierte Entscheidungen bei der Auswahl des richtigen Handschuhs treffen – für mehr Sicherheit am Arbeitsplatz.

Eine Auswahl an Hitzeschutzhandschuhen finden Sie in unserem Onlineshop. Sollten Sie weitere Fragen zu diesem oder anderen Themen haben, nutzen Sie gerne unseren Ratgeber oder kontaktieren Sie uns direkt. Auf Anfrage bieten wir auch weitere Hitzeschutzhandschuhe an.

  
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